WAZ 7. März 2020

Uli Kolmann

 

Langendreer Ein Thema? „Fläche, oder Linie?“ Anja Andreae und Paula Sawadsky sehen sich an, legen sich aber nicht fest auf eine strenge Vorgabe. Sie zeigen gemeinsam ihre Arbeiten bei der stadtweiten Aktion „Eintritt frei“, den „Offenen Ateliers“, und das am Samstag und Sonntag, 7. und 8. März, jeweils von 12 bis 18 Uhr. „Etwa 15 Bilder“, auch das ist noch offen, präsentieren sie in der „Halle 205“, dem Freiraum für Kunst & Kultur an der Hauptstraße 205a in Langendreer, der schon zum dritten Male dabei ist.

 

Es treffen diesmal zwei sehr unterschiedliche Traditionen und Herangehensweisen aufeinander, und das bildet einen eigenen, kreativen Spannungsbogen in der ohnehin schon für sich spannenden Halle. Der ehemalige Pferdestall der früheren Brauerei Robert Müser lässt seine Geschichte mit gusseisernen Säulen, alten Trägern, Farbschichten und nur leicht kaschierten Fensteröffnungen überall durchschimmern . Ein Ambiente, das als Kulisse die Blicke schweifen lassen kann. Auch und gerade deshalb wollen die beiden Künstlerinnen „eigentlich wenig“ am Schwerpunkt-Wochenende zeigen.

 

Wurzeln in der Zeichnung

 

Anders als in der Druckausgabe des „Eintritt frei“-Flyers angegeben, ist Gerd Kellermann, einer der Begründer der „Halle 205“-Initiative, mit seinen Fotografien diesmal nicht dabei, aus Krankheitsgründen verhindert. Um so mehr freut sich Anja Andreae, mit der Kanadierin Paula Sawadsky jemanden an ihrer Seite zu haben, der gleich meinte: „Wenn ihr mal Unterstützung braucht, ich komme gern“. Gar so weit hat sie es allerdings nicht, ihr Atelier ist in Herne. Paula Sawadsky sieht ihre kreativen Wurzeln in der Zeichnung, allerdings übernimmt sie diese Ausdrucksform und damit auch die Technik in die Gestaltung großformatiger Bilder in Öl, vorzugsweise auf Baumwolle. Figuren stellt sie ins Zentrum ihrer Bilder, immer sollen sie Emotionen ausdrücken, und ebenso oft greift sie auf authentische Vorbilder zurück wie sie die Elemente abstrahiert. Wert legt Sawadsky darauf, dass sie handwerklich traditionell arbeitet, aber keine klassische Ölmalerei und auch keine klassischen Porträts anstrebt. „Alles bekommt eine eigene Spannung“, beschreibt sie, „die Linie steht für das verstandesmäßige, rationale Herangehen, die Ölfarben fordern, die Kontrolle zurückzunehmen“. Sie scheut sich nicht, sowohl vor dem Hintergrund des Neo-Expressionismus’ als auch einer Vorliebe für den Cartoon-Stil zu malen.

 

Schicht um Schicht schimmert durch

 

Anja Andreaes Arbeiten haben zum Teil eine eigene, ganz praktische Geschichte. Denn die kleineren Bilder sind schlicht überwiegend zu Hause entstanden, „weil es hier im Winter in der großen Halle einfach zu kalt war“, erklärt sie lächelnd. Die großformatigen hingegen korrespondieren auch mit der Atmosphäre des großen Raumes. Andreae hat sich inspirieren lassen und gefragt

 

„Wie komme ich an Tiefe, ohne dabei beliebig zu werden?“, und dokumentiert auf Fotos die Entstehung ihrer Arbeiten, Schicht um Schicht, ähnlich, wie sie sich an Wänden und Decken des ehemaligen Pferdestalles zeigen. Unfertig, wachsend, offen für Veränderungen.